25.04.2012
Mitterlehner/Hundstorfer

Neue Smart-Meter-Verordnung

Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner hat in Abstimmung mit Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer die Smart-Meter-Verordnung erlassen. "Damit regeln wir die Rahmenbedingungen der Einführung von intelligenten Stromzählern", betont Mitterlehner.

"Die neue Smart-Meter-Verordnung gibt den Unternehmen Klarheit zu den Vorgaben für Investitionen. Genauso nötig ist es aber, dass bis zum Roll Out dieser Zukunftstechnologie auch verantwortungsvolle Rahmenbedingungen für die Nutzer normiert sind. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Sorgen der Konsumentinnen und Konsumenten hinsichtlich Datenschutz, Kosten und "Tarifdschungel" ernst genommen werden. Das Wirtschaftsministerium hat gemeinsam mit meinem Ressort Entwürfe für notwendige flankierende Maßnahmen verfasst", so Hundstorfer.

Mit der Verordnung reagiert Österreich auf eine entsprechende EU-Vorgabe. Österreich setzt diese in einem Stufenplan um, der für die Netzbetreiber zunächst einen Einführungsgrad von 10 % bis Ende 2015 und 70 % bis Ende 2017 verpflichtend vorsieht. Bis Ende 2019 sollen es mindestens 95 % sein. Dieses Vorgehen basiert auf einer Kosten-Nutzen-Analyse von PricewaterhouseCoopers (PwC), wonach ein möglichst kurzer Einführungszeitraum kombiniert mit einer möglichst hohen Flächenabdeckung aus volkswirtschaftlicher Sicht die größten Vorteile bringt. Der volkswirtschaftliche Gesamtnutzen liegt berechnet über einen Zeitraum von 15 Jahren bei insgesamt 3,6 Milliarden Euro, womit die Aufwendungen um 400 Millionen Euro übertroffen werden. Zudem werden 6.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Intelligente Zähler leisten einen essentiellen Beitrag zur Energiewende und fördern die Energieeffizienz
Bild: APA (Energie AG/OTS)  

 

Vorteile für Lieferanten und Netzbetreiber, Abrechnungsgenauigkeit für Kunden

Energielieferanten haben durch die neue Technologie die Möglichkeit ihren Kunden auf das jeweilige Verbrauchsverhalten zugeschnittene Tarife anzubieten. Falls die zeitvariablen Tarife zu unübersichtlich werden, soll die E-Control als Regulierungsbehörde verpflichtende Tarifstrukturen festlegen können, die weiterhin die Vergleichbarkeit der Tarife gewährleisten. Darüber hinaus wird dem Kunden die Selbstablesung seines Stromzählers erspart. Zugleich führt der Wegfall der manuellen Ablesung vor Ort zu genaueren Rechnungen und weniger Korrekturen bzw. Nachzahlungen.

Der Nutzen für die Netzbetreiber besteht vor allem in der Effizienzsteigerung des Verteilernetzbetriebs. Herauszustreichen sind unter anderem die höhere Automatisierbarkeit der Kundenprozesse (Ablesung, Verrechnung), eine bessere Netzkontrolle- und Netzlastsituationsdarstellung sowie ein effizienteres Ausfalls- und Störungsmanagement. Weiters stellen die neuen Messgeräte eine Schnittstelle für Intelligente Netze ("Smart Grids") dar, die wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien verstärkt für das Netzlastmanagement erforderlich sein werden.

In den vergangenen Jahren sind in Österreich bereits knapp 200.000 von insgesamt rund 5,7 Millionen Zählern auf Smart Meter umgerüstet und erfolgreich im Testbetrieb eingesetzt worden. Das Feedback der Kunden und Energieversorgungsunternehmen war durchgängig positiv.

Der Austausch des Zählers durch die Netzbetreiber soll grundsätzlich bereits über das Messentgelt, das von der unabhängigen Regulierungskommission festgelegt wird, abgedeckt werden. Die Mehrkosten der Beschaffung eines Smart Meter gegenüber einem herkömmlichen Zähler belaufen sich einmalig auf rund 40 Euro. Auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren berechnet entspricht dies im Monat nur in etwa 20 Cent. Gleichzeitig führt jedoch laut PwC-Studie die Einführung von intelligenten Netzgeräten zu Einsparungen im laufenden Betrieb und unter Heranziehung eines Modellzeitraumes von 15 Jahren zu einem Nettokostenvorteil für die Endverbraucher von über einer Milliarde Euro. Denn eine zeitgenaue Verbrauchserfassung bringt eine höhere Abrechnungsqualität und eröffnet durch das verbesserte Netzlastmanagement die Möglichkeit verbrauchssensibler Energienutzung sowie neue Sparpotenziale. Gemäß der Studie von PricewaterhouseCoopers kann der Verbrauch mit der Smart-Meter-Technologie im Schnitt um rund 3,5 Prozent pro Jahr reduziert werden.

Umfangreiche Regelungen zum Datenschutz

Die Geräte und ihre Kommunikation sind nach anerkanntem Stand der Technik zu verschlüsseln und gegen den Zugriff von unberechtigten Dritten abzusichern. Es gelten hier die Rechtsvorschriften des Datenschutzgesetzes. Details zu technischen Anforderungen sowie Datenauslesung und Weitergabe von Smart Meters legt die Regulierungsbehörde E-Control fest. Die Datensysteme der Netzbetreiber sind in sich geschlossene Systeme, die nicht direkt mit dem Internet verbunden sind.

Der Netzbetreiber hat die abrechnungsrelevanten Verbrauchswerte einmal im Monat dem Energielieferanten zu übermitteln. Hingegen stehen dem Kunden seine täglichen Verbrauchswerte zur persönlichen Information am Folgetag zur Verfügung. Künftig soll die technisch mögliche Auslesung von Viertelstundenwerten aus den Messgeräten von einer expliziten Kundenzustimmung bzw. der Existenz eines entsprechenden Vertrags abhängig sein. Wenn der Kunde einer Datenweitergabe zustimmt, muss ihn der Stromversorger künftig informieren, wer welche Daten zu welchem Zweck erhält. Bei Verstößen gegen die genannten Bestimmungen sind Sanktionen in Höhe von bis zu 100.000 Euro vorgesehen.

www.bmask.gv.at