07.06.2017
Nachbericht

4. Fachkongress Energie im Krankenhaus: „Digitalisierung – Spital 4.0“

Mit hochkarätigen Vorträgen, einer repräsentativen begleitenden Ausstellung und 180 Teilnehmern – so präsentierte sich der Vierte Fachkongress „Energie im Krankenhaus“, der am 1. Juni 2017 unter dem Titel „Digitalisierung – Spital 4.0“ stattfand.

Manfred Krejci (Konsulent der WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH) und Senatsrat DI Josef Aumayr, Vizepräsident des ÖVKT und fachlicher Leiter des Kongresses, begrüßten die Teilnehmer und eröffneten die Veranstaltung im Eventhotel Pyramide in Wien-Vösendorf. Und die startete mit einem topaktuellen Thema, wie die kürzlich erfolgte Cyber-Attacke auf Gesundheitseinrichtungen in Großbritannien samt der dramatischen Folgen der Erpressbarkeit zeigt. Mit „Cybercrime im Krankenhaus“ machte Dr. Wieland Alge (General Manager Europa der Barracuda Networks AG, Innsbruck) den Kongressteilnehmern in seiner Keynote deutlich: Bei Fragen rund um die IT-Security kann es um Leben und Tod betroffener Patienten gehen. Im Zuge der allgegenwärtigen Digitalisierung steigt auch die digitale Transformation der Kriminalität. Alles, was an medizinischen Geräten und Anlagen vernetzbar ist, kann angegriffen werden. Was dagegen hilft: Firewalls in allen Bereichen. Das Credo von Wieland Alge: „Ein modernes Krankenhaus muss mehr Firewalls haben als Patienten!“

 

Manfred Krejci, Konsulent der WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH und …
Bild: WEKA  

 

… Senatsrat DI Josef Aumayr, Vizepräsident des ÖVKT und fachlicher Leiter des Kongresses, begrüßten die Kongressteilnehmer
Bild: WEKA  

 

Vernetzung und ihre Implikationen

„Die Vernetzung von IT und Gebäudetechnik – Fluch oder Segen?“ war das Thema von Markus Huber (Managing Director & Founder der Open Networks GmbH, Wien) und Alexander Roland Ramseier (Founder & Chief Disruption Officer for hire von Futurebuilt). Die IT wird immer wichtiger. Gebäudemanagement, medizinisches Personal, Applikationen und Infrastruktur müssen in Zukunft ein gemeinsames Team bilden. 24 % der Cyber-Attacken erfolgen in Produktionen bzw. Gebäuden, durch IoT (Internet of Things) wird sich das noch einmal exponential steigern. Fazit: In erster Linie geht es um Kommunikation: nicht zwischen Maschinen oder zwischen Maschinen und Menschen, sondern zwischen Menschen. Durch die voranschreitende Digitalisierung der Gebäudetechnik ist ein Zusammenarbeiten notwendig, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen - mit dem gemeinsamen Ziel: Leben zu retten.

Mit „BIM und Energiemanagement“ beschäftigte sich dann DI Christoph Carl Eichler, Geschäftsführer von ODE office for digital engineering, das Unternehmen bei der Einführung von BIM (Building Information Modeling) betreut. Die zentrale Herausforderung in diesem Zusammenhang ist, alle Beteiligten zusammenzuführen und eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Am Anfang steht ein Anforderungskatalog, der die Basis zur Überprüfung der Kompatibilität aller nachgelagerten Planungsschritte bildet. Modelldaten müssen in einer Qualität vorhanden sein, auf die sich alle Beteiligten verlassen können. Wichtig auch (mit Blickrichtung auf die Zukunft): die offene Schnittstelle IFC.

Was Energiemanagement kann

DI Dr. Klaus Reisinger (Geschäftsführer ENGIE Gebäudetechnik GmbH, Wien) widmete sich in der Folge dem „Angewandten Energiemanagement im Krankenhaus“ am Beispiel der NÖ Landeskliniken-Holding. ENGIE Austria – Teil des global tätigen Energiekonzerns – verknüpft Leistungen in Anlagenbau, Gebäudemanagement, Energieversorgung u.a.m., um Gebäude und Anlagen über den gesamten Lebenszyklus energieeffizient betreiben zu können. Die Erfahrungen zeigen: Der Energieverbrauch in Krankenhäusern ist durch automatisiertes Einsparen beeinflussbar, was aber keine Reduktion der Qualität oder der Leistungen bedeutet. Angewandtes Energiemanagement schafft die Möglichkeit für Energie- und Kosteneinsparungen. Dabei geht es über Energiemonitoring hinaus um aktives Energiemanagement durch permanente Analyse und Optimierung, wofür unbedingt ein automatisiertes und standardisiertes System erforderlich ist.

Gebäude sicher betreiben

Um den sicheren Betrieb von Gebäuden ging es im zweiten Vortragsblock des Kongresses. Roland Gumpoltsberger, MSc, erklärte anschaulich die wichtige Bedeutung von Energiemonitoring-Systemen in Krankenhäusern. Seit November 2015 führt Santesis das nach EN ISO 50.0001 zertifizierte EnMS für alle Unternehmen der Vinzenz Gruppe durch. Dabei geht es darum Optimierungspotenziale aufzuzeigen, Maßnahmen gezielt umzusetzen, bei Fehlentwicklung rechtzeitig gegen zu steuern. Voraussetzung dafür ist eine umfassende Ist-Analyse, für die Datenpunkte aus der GLT und darüber hinausgehende eigens erfasste Datensätze die Basis liefern. Die Prüfung der Datenplausibilität ist bei der Analyse genauso wichtig wie der Umgang mit Datenlücken, die immer wieder auftreten können. Für die richtige Interpretation ist die enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern vor Ort ausschlaggebend. Nur so können die im Vorfeld klar festgelegten Ziele erreicht, das Thema „Energie“ für alle greifbar gemacht werden.

Biodynamische Lichtlösungen im Fokus

Den Auswirkungen von biodynamischen LED-Beleuchtung auf den Menschen widmete sich Mag. Wilfried Pohl vom Planungsbüro Bartenbach in Anschluss ausführlich. Er sprach von drei unterschiedlichen Bedürfnissen:

  • dem visuellen, dabei geht es um die grundlegenden Anforderungen an die Lichtqualität zum Erkennen von Gegenständen und um effizient arbeiten zu können,
  • dem nicht-visuellen, womit das Hervorrufen von emotionalen Zuständen, die sich positiv auf die Gesundheit und die Produktivität auswirken gemeint ist, und
  • dem persönlichen, nutzerbezogenen Bedürfnis.

Neben diesen Aspekten darf die Anforderung nach möglichst hoher Energieeffizienz der eingesetzten Lichtlösung natürlich nicht außer Acht gelassen werden.

Pohl präsentierte neueste Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft, die zum Beispiel belegen, dass für Nachtarbeit ohne weiteres auch sehr warmes Licht eingesetzt werden kann, ohne Konzentrations- oder Leistungsrückgänge hinnehmen zu müssen. Lange Zeit setzte man ausschließlich kaltes, blaues Licht ein.

Während der Einfluss von Lichtsituationen auf den Menschen in Nachtsituationen bereits sehr gut erforscht ist, sieht er in der Forschung in Tagsituationen noch Nachholbedarf. In diesem Zusammenhang erwähnte Wilfried Pohl die Forschungsinitiative Light Health. Namhafte Partner aus Industrie, Forschung und Lichtanwendung arbeiten dabei zusammen, um nicht-visuelle Lichtwirkungen auf Basis wissenschaftlicher Grundlagenkenntnisse zur Anwendung zu bringen.

Die passende dynamische Steuerung und Regelung der Lichtsysteme und die Sensortechnik sind von essentieller Bedeutung um die erwünschten Resultate (Steigerung der kognitiven Leistung, besserer Schlaf, positive Beeinflussung der Stimmung, Förderung der Gesundheit, Erhöhung der Energieeffizienz) zu erzielen. Pohl sieht in diesem Zusammenhang derzeit noch Probleme bei den Schnittstellen, klassische Lösungen seien für biodynamische Systeme nicht geeignet. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er die unterschiedlichen Einsatzvarianten und Effekte auf, die biodynamische LED-Beleuchtungslösungen ermöglichen. Gerade in Krankenhäuser bieten sie überzeugendes Potenzial.

Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung durch Wärmerückgewinnung

Dass es heute bei Investitionen mehr denn je darum geht, sie in Bezug auf ihre Amortisationszeit und den Lebenszyklus zu betrachten, das weiß Amir Ibrahimagic, Verkaufsleiter von Konvekta. Konvekta hat in diesem Jahr zusammen mit Condair die Patronanz des Fachkongress „Energie im Krankenhaus“ übernommen, unterstreicht damit die Bedeutung, die dieses Branchensegment für das Unternehmen hat. In der Revitalisierung bestehender Projekte können die Analysetools und die Technik zur Wärmerückgewinnung des Schweizer Unternehmens ihre Vorzüge voll ausspielen. Als Systemanbieter bietet Konvekta alle drei im Kreislaufverbundsystem benötigten Komponenten (Wärmetauscher, hydraulische Baugruppe, WRG-Controlling) aus einer Hand. Die Investitionskosten mögen im ersten Moment über jenen anderer Anbieter liegen, das System amortisiert sich aber bereits nach wenigen Jahren durch Steigerung der Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit der Anlage und der damit verbundenen Senkung der laufenden Energiekosten.

„Angstzuschläge“ erhöhen die Kosten bei Fernwärmeanschluss erheblich

Ing. Siegfried Melcher von Energieconsulting Baden erklärte in seinem Vortrag, dass die Fernwärmekosten zu je 50 Prozent aus Energie- und Bereitstellungskosten bestehen. In seiner langen Beratertätigkeit musste er immer wieder feststellen, dass die Betreiber Jahr für Jahr unnötige Bereitstellungskosten bezahlen, die durch einen sogenannten „Angstzuschlag“, also zu hohe Anschlussleistung, zustande kommen. In einem Neubau sollte die Anschlussleistung unbedingt kritisch geprüft werden und die optimale Anschlussleistung festgelegt werden. Bei Bestandsobjekten ist die Erfassung und Optimierung der tatsächlich erforderlichen Anschlussleistung aus realen Betriebsdaten unter Berücksichtigung von Klimadaten festzulegen. Melcher rät jedem Fernwärmeanschlusswerber vom Fachmann eine Analyse bestehender Verträge und Anschlusswerte erstellen zu lassen, um daraus ein Optimierungspotenzial zu lukrieren. Zudem ist eine Nachbetreuung nach erfolgter Anschlussänderung sehr von Nutzen, denn es muss verglichen werden, ob die Rechendaten mit dem Praxisverbrauch übereinstimmen.

Melcher präsentierte einige Praxisbeispiele. In einem Generationenhaus konnte  der Anschlusswert nach genauer Überprüfung um 51 % reduziert werden. In einem anderen Fall, einem Seniorenpflegeheim, konnte eine jährliche Kostenersparnis von 23.000 €/a erzielt werden. Somit ist fachmännische Beratung bei der Erstellung eines Fernwärmeanschlusses sicher keine Fehlinvestition.

Fernkälte kontra Eigenproduktion

Ing. Robert Herrisch von der EVN Wärme GmbH sprach über die Fernkälteaktivitäten der EVN Wärme GmbH, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Bereits 1.100 Nahwärme- und Kälteanlagen werden von der EVN betrieben, und zwar über ein Leitungsnetz von mehr als 570 km. Vornehmlich werden 65 Heiz(kraft)werke mit Waldhackgut, Strom oder Gas betrieben.

Als Beispiel für eine Fernkälteversorgung führte Herrisch das Landesklinikum Mistelbach an. Energielieferant ist Biomasse. Die Investitionskosten lagen bei 2,9 Millionen Euro und die CO2 Einsparung liegt bei 260 t/a. Klimatisiert, respektive gekühlt, werden Operationsräume, Intensivstationen und medizinische Geräte. Im Endausbau wird eine Leistung von 4,2 MW zur Verfügung stehen. Der installierte Kältespeicher hat ein Volumen von 100.000 Liter. Die Vorteile von einer Fernkälteversorgung gegenüber einer Eigenproduktion von Kälte für das Landesklinikum liegen in der Auslagerung des Anlagenrisikos, der höheren Versorgungssicherheit durch Abwärme und Strom und eine hohe CO2 Einsparung durch Kälte aus Biomasse.

Innovative Technik – praxiserprobt

Die Mittagspause bot den Teilnehmern Gelegenheit um sich am umfangreichen Büfett zu stärken und sich in der heuer besonders gut besetzten Fachausstellung einen Überblick über die Angebote und Produktneuheiten der Aussteller zu informieren. Networking und Fachsimpeln unter Experten war angesagt und das trotz der Extremtemperaturen, die sich unter dem Dach der Pyramide gebildet hatten.

Mit Kurzreferaten ging es in den Nachmittag. Den Anfang machte Ing. Karl Palmstorfer, Geschäftsführer von Trox Austria. Trox bietet Lüftungs-Systemlösungen, die effizient im Betrieb wie auch in der Ausführung sind. Gerade in kritischen Bereichen sind die Anforderungen an ein Luft-Management-System besonders hoch, es geht dabei um die Aspekte Sicherheit, Behaglichkeit und Effizienz. Mit X Cube Control, Labcontrol, Troxnetcom und X Aircontrol bietet Trox Komplettlösungen aus einer Hand, die gerade den Anforderungen, wie sie moderne Krankenhäuser heute stellen, bestens entsprechen.

Das Thema Fußbodenheizung versus Betonkernaktivierung stellte Thomas Doppelbauer, MSc, technischer Berater und Planerbetreuer bei der Herz Armaturen GmbH, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Bei energetischer und wirtschaftlicher Betrachtung gerät die Fußbodenheizung klar ins Hintertreffen.  Die Betonkernaktivierung ist energetisch vorteilhaft, wirtschaftlich günstig und die Betriebskosten sind geringer. Dazu kommt, dass sie auch zur Kühlung genutzt werden kann – es ist daher nicht erforderlich in eine eigene Klimaanlage zu investieren. Ein gewisser Nachteil des Systems ist die Trägheit, die Reaktionszeiten bei Umstellungen sind relativ lang. Doppelbauer empfiehlt deshalb die Betonkernaktivierung mit Wetterdaten zu verschränken und er verwies außerdem auf das Herz Volumenstomregler-Kombiventil, das optimal im Einsatz von Fan Coils, Kühldecken und Betonkernaktivierung arbeitet.

Den Abschluss des Vortragsblocks bildetet das Kurzreferat von Rony Riedo, MBA, Geschäftsführer von Belimo Automation Wien. Der Belimo Energy Valve ist in der Branche bestens bekannt, er wurde in den letzten Jahren mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Von einem Ventil zu sprechen wäre ein glatte Untertreibung, der Energy Valve ist vielmehr ein Computer, wie Riedo erklärte. Die Features sind: permanenter hydraulischer Abgleich, Delta-T Management, Echtzeit Information und Monitoring Anlagenparameter, Durchfluss- und Leistungsregelung und Bus-Anbindung.  Das klare Ziel liegt in der Steigerung der Energieeffizienz. Ganz neu ist neu die Belimo Cloud in die die Daten eingespielt werden können. Das Rechenzentrum liegt in der Schweiz und entspricht höchsten Sicherheitsstandards. Die Angebote und Möglichkeiten der neuen Cloud sind: Garantie Verlängerung von fünf auf sieben Jahre, permanenter Datenzugriff, Support, Erstellung von leistungsberichten, Optimierung von Delta-T und Durchfluss und regelmäßige Software Updates.

Wasser 4.0 im Krankenhaus

Der Water Safety Plan in der Gebäudetechnik dient ausschließlich der Qualitätssicherung und dem Schutz der Nutzer. Die Verkehrssicherheitspflichten beziehen sich auf Erhaltung, Organisation, Kontrolle und Überwachung. Ein Sicherheitsplan ist nicht neu, sondern setzt lediglich rechtliche und technische Vorgaben um. DI Willibald Schodorf, Fachausschutzvorsitzender Wasser des DFLW Berlin der diese Aussagen traf, ortete mangelndes Bewusstsein für Wartung, Instandhaltung und Überwachung. Zudem eine große Unkenntnis über bestehende Risiken, auch unter den Fachleuten wie zum Beispiel Fachplaner und Installateure. Deshalb muss sich jeder Betreiber für jedes Wassersystem die Frage stellen, welche Gefahren kommen vor, wo und wie wissen wir, dass wir die Gefahren im Griff haben und letztlich wie beherrschen wir sie.

 Als Einflüsse, die die Trinkwasserqualität verändern, nannte Schodorf Stagnation, Temperatur und Materialien wie auch Ausführung, Wartung und Instandhaltung. Wasser 4.0 braucht eine Vielzahl von Messpunkten für die Überwachung des gesamten Netzes. Als besonders gefährlich sieht Schodorf die Stagnation, die leicht zur Bildung von Legionellen führen kann, an. Deshalb sollten Temperatursensoren in genügender Anzahl installiert werden. Er verwies in seinem Vortrag auf die in der ÖNORM verankerte 6 Meter-Regel. Diese besagt, dass die Länge von Einzelzuleitungen bis zur Auslaufarmatur maximal 6 m betragen sollte. Dazu ist die Zirkulationsleitung so nahe wie möglich an die Entnahmearmatur heranzuführen oder eine dezentrale Trinkwassererwärmungsanlage vorzusehen. Bautechnisch sollten möglichst kleine saubere Speicher verwendet werden. Des Weiteren möglichst kleine und kurze Leitungen inklusive der Zirkulationsleitung planen und Anlagen auf realistischen Verbrauch auslegen. Die betriebstechnischen Vorgaben sollten so sein, dass im Warmwassersystem an jeder Zapfstelle nach drei Liter Wasser mindestens 55 Grad erreicht wird.

Dokumentation 4.0

Das Thema von DI (FH) Marcus Helmecke, Vizepräsident des Forum Wasserhygiene war die Dokumentation 4.0.- Risikomanagement bei dezentraler Warmwasserbereitung im Gesundheitswesen. Während sich der Heizungswärmebedarf im Laufe der Jahre vom Gebäudebestand bis hin zum Passivhaus ständig verringert hat, ist der Wärmebedarf für die Trinkwassererwärmung permanent konstant geblieben. Man kann davon ausgehen dass in modernen Gebäuden heutzutage der Heizbedarf gleich dem Trinkwasserbedarf entspricht. Die Energieeffizienz der Warmwasserbereitung wurde durch dezentrale Systeme, alternative Energien zur Abdeckung der Zirkulationsverluste meist in Kombination mit Temperaturabsenkung, neue Ansätze bei Isolierung und Verlegung, Volumenstrom, geregelte Systeme und Absenkung der Temperaturen reduziert. Alle Maßnahmen, die ein Aufkeimen von Legionellen begünstigen können, bedürfen eines erhöhten Untersuchungsaufwandes und einer besonders sorgfältigen Dokumentation. Um die Anzahl an Proben, die für die Überwachung notwendig sind, erfassen und bewerten zu können, empfiehlt sich die Aufnahme in ein EDV unterstütztes System. Wie das in der Praxis umgesetzt wird, erklärte Helmecke an Hand eines Beispiels, das die einzelnen Schritte verdeutlichte. Erfasst wird alles in einer Dokumentation 4.0.

Risikomanagement in der Trinkwasserversorgung

Martin Taschl, Fachausschussvorsitzender Forum Wasserhygiene, interpretierte vornehmlich die ÖNORM EN15975-2, die sich mit der Sicherheit der Trinkwasserversorgung befasst und Leitlinien für das Risiko- und Krisenmanagement enthält. Ein Trinkwasserversorgungssystem dient der Bereitstellung von sicherem Trinkwasser bis zum Zapfhahn des Nutzers. Wie geht man nun beim Risikomanagement vor, das übrigens auch gut digitalisierbar ist. Der Anlagenbetreiber sollte ein prozessorientiertes Risikomanagement einführen. Die Anwendung oben erwähnter europäischer Norm zielt darauf ab, Gefährdung und Gefährdungsereignisse zu identifizieren und die sich ergebenden Risiken, die in dem Trinkwasserversorgungssystem vom Einzugsgebiet bis zur Übergabestation zum Kunden auftreten können, abzuschätzen und zu beherrschen. Das prozessorientierte Risikomanagement umfasst folgende Elemente: 1. Beschreibung des Trinkwasserversorgungssystems, 2. Gefährdungsanalyse, 3. Risikoabschätzung, 4. Risikobeherrschung, 5. Verifizierung. Bei der Gefährdungsanalyse können vorbereitete Kontrolllisten mit möglichen Gefährdungen und Gefährdungsereignissen zweckdienlich sein. Die kritische Überprüfung der Ergebnisse der Analyse durch das eigene Personal der Anlagenbetreiber sowie durch externe Fachleute kann von zusätzlichem Wert sein. Der Ablauf einer Risikoanalyse bzw. Beurteilung könnte folgender Maßen ablaufen: Identifikation der möglichen Gefährdung. Daraus folgend, Ermittlung der Auswirkungen, die Bestimmung des Risikos, die Frage ist das Risiko tolerierbar, wenn nein, weitere Maßnahmen zur Risikoreduktion. Natürlich ist auch darüber eine Dokumentation zu führen.

Der Faktor Luftbefeuchtung in der Krankenhaushygiene

Ing. Wolfgang Baumgartner, Geschäftsführer der Condair GmbH/ Wien, begann seinen Vortrag mit dem Videoclip „Gesund durch Luftbefeuchtung“. Der zeigte: Wenn die relative Luftfeuchtigkeit in Gebäuden nicht bei 40 bis 60 % liegt, dann fehlt nicht nur der Wohlfühlfaktor für den Menschen, sondern es stellen sich sehr schnell gesundheitsschädliche Wirkungen ein (Augenentzündungen, Hautreizungen, Reizhusten, Immunabwehr sinkt,..).

„Der Spitalsbereich ist erfreulicher Weise eine rühmliche Ausnahme – dort weiß man, wie wichtig gute Luftqualität ist. Ich kenne kein Spital, wo nicht eine Luftbefeuchtungsanlage arbeiten würde“, meint Baumgartner, der in weiterer Folge auf die (hygienischen) Grundsätze bei Luftbefeuchtungsanlagen zu sprechen kam.

„Eine Luftbefeuchtung ist vorzusehen, wenn sie aus medizinischen oder technischen Gründen erforderlich ist. Sofern zum Planungszeitpunkt der Anlage dieses Erfordernis nicht besteht, ist es zu empfehlen einen Leerteil für die Befeuchtungsstrecke vorzusehen und entsprechende Möglichkeiten für die Dampfversorgung vorsorglich einzuplanen“. Weitere Grundsätze:

  • Durch die Befeuchtung darf die mikrobiologische und chemische Qualität der Luft nicht verschlechtert werden.
  • Die Befeuchtungseinrichtungen müssen korrosionsbeständig, leicht zugänglich und leicht zu reinigen und desinfizierbar sein
  • Das zur Luftbefeuchtung verwendete Wasser muss Trinkwasserqualität gemäß Trinkwasserverordnung aufweisen
  • Bei Befeuchtungsanlagen ist sicherzustellen, dass es in keinem Fall zu Tröpfchenbildung oder Kondensatausfall kommt

Baumgartner zeigte in weiterer Folge, welche Systeme es zur isothermen Befeuchtung (elektrisch, Gas befeuert, Fremddampf, Dampfverteilung) und adiabaten Befeuchtung es gibt. „Wir sorgen auch dafür, dass das Wasser für die Luftbefeuchtung entsprechend aufbereitet wird“, erklärte Baumgartner und präsentierte ein System zur Keimneutralisierung mit Silberionen.

Der Condair-Geschäftsführer präsentierte dann fünf Kriterien, die für Hygienesicherheit sorgen und erläuterte diese im Detail:

  1. Befeuchtungsstrecken richtig dimensionieren
  2. Systemgerechte Feuchteregelung vorsehen
  3. Eintrag von Wasser-Aerosolen verhindern
  4. Bildung von Biofilmen unterbinden
  5. Nachweis aller hygienerelevanten Eigenschaften

Wichtig sei auch die regelmäßige Anlagenwartung – „sie nicht zu machen ist grob fahrlässig“.

Zuletzt wies Baumgartner noch auf die kostenlose App „myCoolblue“ (https://mycoolblue.com) von Condair hin, mit der sich die Berechnung von Anlagen einfach gestalte.

Sind TAV-Decken noch zeitgemäß?

Lüftungsanlagen in Operationssälen können heizen, kühlen, Luftfeuchtigkeit regulieren, den Raum mit Sauerstoff versorgen sowie Gerüche und Schadstoffe abführen. „Was Lüftungsanlagen in OP-Sälen aber nicht können, ist, einen Raum zu sterilisieren bzw. desinfizieren“, meinte Ing. Roman Czech MBA, CEO und Inhaber der Cleanroom Technology Austria GmbH, bei seinem Vortrag eingangs. Das Gros der Bakterien in Operationssälen – 1.000 bis 10.000 Partikel/Minute/Person (Haare, Hautschuppen, Tröpfchen, davon 10 % mit Bakterien) − werden durch Personal und Patient in den OP-Saal eingebracht. „Die TAV-Decken sind es definitiv nicht, die Partikel abgeben“, meinte Czech!

Decken mit Turbulenzarmer Verdrängungsströmung (TAV) leisten in OPs weltweit gute Dienste, aber es sei wichtig, deren Einsatz- und Leistungsgrenzen zu kennen – „sie funktionieren so gut, wie sie eingebaut und gewartet werden“. Czech zeigte die Leistungsgrenzen von TAV-Decken auf – Luftwalzen, falsch platzierte Leuchten, Wärme am OP-Tisch oder zu kalte Luft könnten die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Ab dem Jahr 2007 wurden mit der neuen ÖNORM H 6020 andere TAV-Decken vorgeschrieben – „da gibt es keine Probleme mehr“. Viele der im Einsatz befindlichen TAV-Decken wurden aber vor 2007 installiert.

Ing. Roman Czech zeigte in weiterer Folge auch momentane Trends auf, wie z.B. mobile Sterilluftsysteme für den OP-Tisch. Sie eignen sich auch für Räume, wo die normative Fläche für einen OP zu klein ist.

„Fakt ist, wir wissen nicht, in wie vielen Fällen die Luft an Wundinfektionen schuld wäre oder ist – dafür fehlt es an Messungen“, meint Czech, der dafür plädiert, mehr Daten/Fakten/Statistiken und Fehlermeldungen zu sammeln. „Ich versuche seit Jahren ein Monitoring-System in OPs zu etablieren, Partikel-Messungen direkt beim Operationstisch zu machen. Bisher vergeblich“.

Auch Online-Messungen und Schulungen direkt vor Ort im OP wären/sind zur Verbesserung der Situation vorteilhaft.

Effiziente Nutzung von Energie aus Abwasser

Wie man Energie aus Abwasser nutzen kann, zeigte Mag. Klaus Pichler, Prokurist der Rabmer GreenTech GmbH/Altenberg bei Linz, in seinem Vortrag. „In Deutschland und der Schweiz wird die Energie aus Abwässern schon lange und oft genutzt – in Österreich sind wir davon noch weit entfernt“, meinte Pichler eingangs, der im Weiteren einen aktuellen Überblick der unterschiedlichen technischen Möglichkeiten und verfügbaren Systeme im Bereich der Abwasser-Energienutzung gab und deren Einsatzpotenziale im Hinblick auf Spitäler und Gesundheitseinrichtungen analysierte. Man kann sogar in Duschsystemen die Wärme aus dem Grauwasser verwenden und gleich zur Wasser-Vorwärmung nutzen – „derartige Systeme kosten um die 350 Euro und bringen rund 150 Euro Einsparung pro Jahr“. Bei großen Systemen nütze man die Wärme des Abwassers aus Kanälen. Der Krankenhausbereich sei durch die großen Mengen an Bäder- und Küchen-Abwässer prädestiniert für die energetische Abwassernutzung. Hier wäre auch der Einsatz von Wärmepumpen ideal, die man in weiterer Folge nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen einsetzen könnte. Für Spitäler mit dezentraler Warmwasserversorgung eignet sich die energetische Abwassernutzung allerdings nicht. Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Abwassernutzung sind:

  • Durchflussmenge im Kanal (mind. 10 l/s)
  • Minimum-Temperatur 10 bis 15° C
  • Erforderlicher Kanaldurchmesser (min. 400 mm bei vorproduzierten Elementen, min. 800 mm bei nachträglichem Einbau)
  • Abkühlung des Abwassers ist zu beachten
  • Abstand Kanal zum Verbraucher maximal 300 m
  • Leistung anzuschließender Verbraucher mind. 100 kW
  • Bewilligung durch Kanalbetreiber
  • Reinigungsbedarf berücksichtigen
  • Betriebsstunden (Wärme und Kühlung) berücksichtigen

In weiterer Folge präsentierte Pichler drei konkrete Anwendungsbeispiele. Der Ikea Markt in Berlin werde z. B. ganzjährig mit drei Wärmepumpen, die ihre Energie aus dem Kanal-Abwasser beziehen, beheizt und gekühlt. Auch das Militär Krankenhaus Budapest (ROI nur 3 Jahre) und das Kepler Universitätsklinikum (Med.-Campus 3 – EaA Kantine), die Pichler vorstellte, sind erfolgreiche Anwendungsbeispiele für die energetische Abwassernutzung im Spitalsbereich. Fazit: In den Kanälen steckt viel Energiepotenzial, das genutzt werden könnte. Zum Beispiel auch als individuelle Maßnahme gemäß Energieeffizienzgesetz. Zusätzlich machen gegebene Fördermöglichkeiten und neue Contracting-Modelle die energetische Nutzung von Grauwässern zusätzlich interessant.

Stromtankstellen in Krankenhäusern

„Per 31. März 2017 waren von den rund 4,5 Millionen Fahrzeugen zirka 15.000 Elektro-Autos in Österreich angemeldet. Wegen der Reichweite sind die E-Fahrzeuge derzeit noch eher klassische Zweitautos, aber das ändert sich sehr rasch“, erklärte Martin Syllaba, MAS, Solutions Sales Manager, Smatrics/Wien, eingangs. Elektro-Ladestationen für Kunden, Gäste und Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, wird durch die Entwicklung der E-Mobilität immer wichtiger. Zum Teil werden Elektro-Ladestationen bereits im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/94/EU normativ vorgegeben – im Land Niederösterreich ist beispielsweise bei der Errichtung von 50 öffentlich zugänglichen PKW-Stellplätzen verpflichtend eine 20 kW E-Ladestation zu installieren.

Das Leistungsportfolio von Smatrics umfasst neben dem Betrieb des größten österreichweiten Schnellladenetzes auch die Umsetzung von Ladestationsprojekten für Unternehmen und Private. „Wir liefern alles – vom Konzept, der Planung, Umsetzung, Überwachung der Firmenladestation bis hin zu Endkundenservice und Abrechnung der Ladungen können sämtliche Aspekte des Ladestationsbetriebs für Dritte von uns erledigt werden“, erklärte Syllaba abschließend.

ELENA – Umsetzung eines europäischen Energieförderprojektes

Er war nicht nur (souveräner) Moderator des Kongresses sondern hielt auch den letzten Vortrag dieses Tages: DI Martin Krammer MSc [Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen (ÖVKT) und Mitglied der Geschäftsleitung der SANTESIS Technisches Gebäudemanagement & Service GmbH, Linz]. Er berichtete über das EU-Förderprojekt „ELENA“ und wie es für die Vinzenz-Gruppe (Spitäler, Pflegeheime, Gesundheitseinrichtungen: ca. 2.600 Betten) von Santesis und der Wiener e7-Energie Markt Analyse nutzbar gemacht sowie praktisch umgesetzt wurde.

„Wir fragten uns, gibt es (Förder)Geld, um zum Beispiel eine Lebenszykluskosten basierte Planung zu ermöglichen“, meinte Krammer zur Motivation.

Bei ELENA („European Local Energy Assistance“) stellt die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) finanzielle Mittel für regionale und lokale Gebietskörperschaften und Einrichtungen bereit, die größere Investitionen im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energieträger tätigen werden.

Voraussetzung für die ELENA-Förderung ist, dass sich der Projektträger verpflichtet, innerhalb von max. 3 Jahren ein Investitionsprogramm von zumindest 30 Mio. Euro (= ausgeschriebene Leistungen) umzusetzen bzw. mit der Umsetzung zu beginnen.

Das ELENA-Programm fördert nicht die Investitionen selbst (also keine Produkte), sondern planerische Vorleistungen, wie

  • Entwicklung eines Masterplanes bzw. Vorstudien
  • Technische Machbarkeitsstudien
  • Ökonomischer Variantenvergleich unterschiedlicher Techniken
  • Auswahl der Planer unter Berücksichtigung der Energieeffizienz (z.B. Ideenwettbewerb)
  • Erarbeitung von Finanzierungsmodellen
  • Planerische Leistungen (Vorentwurf, Entwurf, Detailplanung) sofern sie im Zusammenhang mit der Verbesserung der Energieeffizienz oder der Nutzung erneuerbarer Energieträger stehen
  • Technisches Controlling (Energie und Nachhaltigkeit)
  • Energiemonitoring und energietechnische Qualitätssicherung der HLK-Gewerke

Die Kosten dieser und ähnlicher Leistungen werden mit bis zu 90 % durch das ELENA-Programm gefördert.

„Wir haben bei Santesis aufgrund der hier gewonnenen Erfahrungen jetzt technische Mindeststandards definiert und die Lebenszykluskosten werden bei uns nun permanent mitbedacht“, erklärt Krammer und meint weiter: „Der Aufwand zur Errichtung der Projektorganisation und für das Reporting waren bzw. sind zwar nicht unerheblich – aber das Schöne daran: wir haben Mitte Jänner das erste Geld überwiesen bekommen“. Krammer empfiehlt anderen Krankenhausorganisationen: „Trauen Sie sich drüber – ELENA ist nicht so kompliziert. Wenn Sie es nicht selbst machen möchten, dann holen Sie Partner, die Ihnen bei der Umsetzung helfen“.

Fazit zum Kongress

Moderator DI Martin Krammer übernahm das Schlusswort und fasste den Kongresstag für die TeilnehmerInnen noch einmal zusammen. „Wir sind mit den launigen Vorträgen zur Cyberkriminalität und der digitalen Transformation in den Tag gestartet. Was man glaube ich behalten sollte, sind nicht nur die drei Buchstaben WTF (where is the Firewall), sondern auch wie wichtig die Lichtwirkung und Hygiene in Spitälern ist oder welche Abwärmepotenziale in Kanälen schlummern“.

In mehreren Vorträgen wurde auch deutlich, wie wichtig es ist, das jeweils andere Gewerk bzw. die „Sprache der Anderen“ zu verstehen, um Missverständnisse zu vermeiden und eine reibungsfreie Planung/Umsetzung gewährleisten zu können.

 

Mit hochkarätigen Vorträgen, einer repräsentativen begleitenden Ausstellung und 180 Teilnehmern – so präsentierte sich der Vierte Fachkongress „Energie im Krankenhaus“
Bild: WEKA  

 

In Summe bot der von den Fachmagazinen HLK, PUNKTUM und TGA veranstaltete 4. Fachkongress „Energie im Krankenhaus“ wieder sehr viele interessante Höhepunkte. Nicht nur durch die spannenden Vorträge, sondern auch durch die tollen Präsentationen der Aussteller, die man in den Pausen besuchen konnte.

„Im Namen des ÖVKT vielen Dank an Sie, dass Sie dabei waren, und auch an den WEKA-Verlag für dessen Organisation. Ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder“.

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Die Vorträge zum Download finden Sie hier