27.05.2013
1. Pellet-Kongress

Pelletheizungen: Riesen Potenzial und noch viel zu tun

Am 23. Mai 2013 fand im Hotel Heffterhof in Salzburg der von der Fachzeitschrift TGA in Kooperation mit pro>>pellets Austria veranstaltete Erste Österreichische Pellet-Kongress statt.

Die rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten dabei den ganzen Tag die verschiedenen Aspekte und Möglichkeiten, die der Einsatz von Pelletheizungen im verdichteten Wohnbau, im Gewerbe, im Tourismus und der Hotellerie mit sich bringt.

Die thematische Bandbreite erstreckte sich dabei von Beispielen aus der Praxis, über Beispiele zur Wirtschaftlichkeit von Pelletheizungen, bis hin zu sehr konkreten Informationen zur Ausführung solcher Anlagen.

Sehnsucht nach Unabhängigkeit ist notwendig

Landesrat Sepp Eisl von der Salzburger Landesregierung erörterte in seinem Vortrag, wie das Land Salzburg seine Abhängigkeit von Energieimporten mithilfe der Pellet-Technologie verringern konnte. Salzburg verfügt dabei über einen hohen Anteil an erneuerbaren Energieträgern – diese erneuerbare Energie wird zu einem großen Teil aus Biomasse gewonnen. Der Fokus auf Biomasse beim Ausbau der erneuerbaren Energie lag also auf der Hand, obwohl er Eisl in der Vergangenheit viel Kritik einbrachte, wie er ausführte.

Landesrat Eisl wies außerdem darauf hin, wie wichtig der Rückhalt in der Bevölkerung für die Erreichung ehrgeiziger energiepolitischer Ziele sei. Er meinte, man müsse „die Sehnsucht nach Unabhängigkeit" in Energiefragen wecken, dann könne Salzburg seine Ziele (energieautonom und klimaneutral bis 2050) erreichen.

Landesrat Sepp Eisl
Bild: Weka/cp  

Schon jetzt spielen aber Pellets im Salzburger Wohnbau eine große Rolle. Wegen der Bequemlichkeit und der ausgereiften Technik kommen Pelletheizungen mittlerweile im Neubau genauso zum Einsatz, wie im Bestand als Ersatz von veralteten Öl-, Gas-, Kohle- oder Stromheizungen. Die Förderlandschaft in Salzburg soll den Umstieg auf Pelletsysteme zusätzlich erleichtern, konkret passiert dies durch eine Kombination von Einzelförderungen (Hauskessel) und der Wohnbauförderung.

Eisl sieht die Zukunft von Pelletheizungen in der Ergänzung von Solarsystemen. Moderne Gebäude können demnach über Solaranlagen ausreichend beheizt werden, Pelletheizungen liefern die perfekte Ergänzungsenergie für Verbrauchsspitzen, so Eisl.

Pellets in Europa ein Wachstumsmarkt

DI Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer pro>>pellets Austria, ging in seinem Vortrag auf den Stellenwert von Pellets in Europa ein. Europa ist dominierend bei der Pellet-Technologie, sowohl bei der Herstellung von Pellets, als auch bei der Produktion von Kesseln.

Rakos identifizierte dabei Strom und Wärme als die beiden Hauptmärkte, die beide gleich wichtig sind – aber eine unterschiedliche Struktur aufweisen.

Der Strommarkt ist international organisiert, der Wärmemarkt dagegen lokal. Der Bedarf wird dabei vorwiegend aus Europa gedeckt. Pellets aus Österreich sind in diesem Zusammenhang ein Exportschlager und vor allem in Italien sehr beliebt, Pellet-Importe kommen vor allem von österreichischen Herstellern, die Werke im benachbarten Ausland betreiben.

Rakos zeigte in seinem Vortrag zudem, dass sich Pelletanlagen vor allem für den gewerblichen Sektor auszahlen, in erster Linie macht der Kostenvorteil die Pelletheizungen besonders wirtschaftlich. Rakos meinte sogar, die Anlagen wären mittlerweile so wirtschaftlich, dass eigentlich gar keine Förderung mehr notwendig sei.

„Nicht bei der Heizung, sondern beim Heizen soll man sparen!"

Erwin Stubenschrott, Geschäftsführer KWB, stellte sein Referat unter das Motto „Nicht bei der Heizung, sondern beim Heizen soll man sparen!". Er zeigte daher, wie die Kosten für Energieimporte den Wohlstand gefährden und verwies auf die Preissteigerungen am Energiesektor. Dass die Pelletheizungen trotz der Vorteile bei den Brennstoffkosten noch nicht den ganz großen Siegeszug antreten konnten, führt Stubenschrott auf die zu kleine Lobby und Vorbehalte gegenüber der Technologie zurück.

Dass diese Vorbehalte unbegründet sind, zeigte er anhand verschiedener Beispiele. Auch beim Thema Feinstaub sieht Stubenschrott die Pelletheizungen im Vorteil. Während alte, billige und oft importierte Öfen eine Menge Feinstaub verursachen, arbeiten Pelletkessel geregelt und dadurch sehr sauber.

Die Pelletheizung als Imagefaktor

Ein Anwendungsbeispiel aus der Praxis lieferte anschließend Michael Obermoser, Hotelier und Landtagsabgeordneter aus Wald im Pinzgau. Er berichtete vom Umstieg auf Pellets in seinem Hotel Königsleiten. Die Entscheidung eine Pelletheizung zu installieren fiel, nachdem er schon zuvor verschiedene Maßnahmen zur Energieeinsparung in seinem Hotel setzte (berührungslose Armaturen, Induktionsherd).

Michael Obermoser
Bild: Weka/cp  

Obermoser betonte dabei vor allem auch den Imagevorteil, der ihm als Hotelier durch die Pelletanlage entsteht. Gäste würden nämlich die saubere Energie schätzen, Obermoser nutzt dies auch aktiv in der Unternehmenskommunikation. Sogar Heizhausführungen mit interessierten Hotelgästen veranstaltet er. Da sich für ihn auch ein großer wirtschaftlicher Vorteil ergibt, fällt sein Fazit nach einem Jahr mit Pelletheizung durchweg positiv aus.

Die Gesamtkosten im Blick haben

Josef Mösl, Proenergy Contracting GmbH, berichtete in seinem Vortrag aus der Contracting-Praxis. Er verwies dabei vor allem darauf, dass durch richtiges Einstellen und Regeln von Anlagen hohe Einsparungen erzielt werden können. Zudem vermisst er in der Kommunikation betreffend der Vorteile von Pelletanlagen die Ehrlichkeit bei den entstehenden Nebenkosten. Als Contractor habe er die Gesamtkosten im Blick und muss diese auch garantieren können.

Daher formulierte er einige Wünsche an die Kesselhersteller um diese Nebenkosten reduzieren zu können. So wäre es vorteilhaft, wenn die Ascheaustragung aus den Heizräumen hinaus käme, die monatliche Überprüfung der Anlagen ist aus seiner Sicht nicht mehr notwendig. Auch bei den Wartungskosten und der Lärmentwicklung der Pelletanlagen sieht Mösl Handlungsbedarf.

Nur der Kostenvorteil überzeugt

Ing. Roland Winkler, Geschäftsführer Energietechnik Winkler GmbH, sprach über Investitionen und Wirtschaftlichkeit beim Umstieg auf Pellet-Heizung. Er kritisierte dabei die Wohnbauförderung, die aus seiner Sicht wenig zielgerichtet sei. Der Fokus auf die Dämmung sei zu groß, der Heizungssektor werde vernachlässigt.

Winkler sieht das Warmwasser als Knackpunkt, besonders hier sei ein erneuerbarer Energieträger notwendig und wirtschaftlich. Er widerspricht daher Landesrat Eisl und sieht Pellets nicht nur als Ergänzungsenergie, Warmwasser werde schließlich immer benötigt. Auch Winkler berichtet aus der Praxis und seiner Erfahrung mit Bauträgern. Diese ließen sich nur über den Kostenvorteil überzeugen, die Kommunikation müsse daher einfach und schlüssig sein.

Projekte ganzheitlich betrachten

Ing. Armin Themeßl, Geschäftsführer AEE Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie, Villach, sprach über die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung effizienter Lösungen. Für ihn ist Heizen der permanente Kampf gegen Baumängel. Er sieht Pellets für alle Gebäudestufen als Lösung, vor allem in der Kombination mit Solaranlagen. Aber auch die Bedarfsreduktion ist für Themeßl ein zentrales Thema. Er plädiert für neue Wege und Lösungsansätze, beispielsweise die Integration von Heizräumen in Passivhäuser und sog. „Wohnzimmergeräte" (also die Wärmeerzeugung im konditionierten Wohnraum).

Auch bei den Komponenten einer Heizanlage gibt es laut Themeßl riesiges Potenzial, das oft ungenutzt bleibt. Pufferspeicher oder ein mangelhafter hydraulischer Abgleich erweisen sich oft als große Effizienzkiller. Projekte müssen daher immer ganzheitlich betrachtet werden, ein „ Zerlegen" jedes Projekts ist unerlässlich.

Nicht jeder Kamin eignet sich für Pellets

Michael Verderber, Bundesinnungsmeister-Stv., Technischer Bundesinnungswart Rauchfangkehrer, zeigte in seinem Vortrag, dass es auch bei der Auslegung des Kamins für Pelletheizungen einiges zu beachten gibt. Vor allem der richtige Querschnitt der Abgasanlage ist hier entscheidend. Verderber zeigte aber auch noch weitere Anforderungen wie die Mindesthöhe über Dach oder die richtige Dachdurchführung.

Michael Verderber
Bild: Weka/cp  

 
Wie facettenreich und interessant dieses Thema für Praktiker ist, zeigte sich bei der regen Diskussion im Anschluss an den Vortrag.

Umstellung auf Pellets aus Planersicht

Ing. Günther Karres, Geschäftsführer Karres TB GmbH, Ingenieurbüro für TGA, Salzburg, referierte über die Umstellung auf Pellets in der Praxis aus Planersicht. Dazu zeigte er detaillierte Daten eines realisierten Projekts. Dabei handelt es sich um ein Altenheim in der Nähe von Salzburg, das auf Teilpelletbetrieb umgestellt wurde.

Richtige Pelletlagerung ist unerlässlich

Für einen „explosiven" Abschluss des Kongresstages sorgte Dr. Martin Englisch, allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Er rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das oftmals vernachlässigt wird, nämlich die Anforderungen an Pellet-Lagerräume und Voraussetzung für die Genehmigung gewerblicher Pelletanlagen. Hier gilt es einige Richtlinien zu beachten, welche genau, das sei oft nicht ganz schlüssig. In jedem Fall sind der Brand- und Explosionsschutz sowie der Schutz vor CO-Vergiftungen wichtige Aspekte. Englisch erörterte sehr anschaulich die Anforderungen an Belüftungssysteme, den Explosionsschutz, u.Ä. Auch hier entstand eine angeregte Diskussion, die vor allem zeigte, dass in diesem Bereich hoher Informationsbedarf besteht.

Im Anschluss an die Vorträge konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Exkursionen zwei umgesetzte Pellet-Projekte vor Ort ansehen. Zum einen im Hotel Schloss Fuschl, zum anderen in der Passivhaus-Wohnanlage Aglassingerstr 48.

Hier finden Sie die Vorträge des Ersten Österreichischen Pellet Kongresses zum Download.

 
 
 

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Im Hotel Heffterhof in Salzburg fand am 23. Mai 2013 der Erste Österreichische Pellet-Kongress statt.
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