16.04.2013
3. Energieautarkie-Kongress

"Wir alle machen die Energiewende!"

Der spannende Mix von Vorträgen von Theoretikern, wie Praktikern, Visionären und harten Realisten begeisterte die rund 200 Teilnehmer des Dritten Österreichischen Energieautarkie-Kongresses, der am 11. April 2013 im Wiener Parkhotel Schönbrunn stattgefunden hat.

Dem Veranstaltertrio TGA, Fachverband Ingenieurbüros und IG Energieautarkie ging es diesmal darum, konkret herauszuarbeiten, wer die Macher der Energiewende sind: Politik, Wirtschaft oder private Initiativen? Mit Prof. DI Peter Droege, Präsident Eurosolar, Landesrat Rudi Anschober, DI Dr. Morteza Fesharaki, GF Herz Energietechnik, Ing. Andreas Schneemann, Ingenieurbüro Schneemann, Mag. DI Dr. Heimo Bürbaumer, Österreichische Energieagentur – um nur einige zu nennen – standen dazu die genau richtigen Experten am Podium.

Droege: "Energiewende in 10 Jahren möglich"

Der Vormittag stand dabei ganz im Zeichen der Grundsatzdiskussion und der Definition des Status Quo. Höchst treffend verglich Prof. Peter Droege die derzeitige Situation mit dem platonischen Höhleneffekt, bei dem sich Gefangene von Schatten in die Irre führen lassen, die Realität nicht erkennen – ihrer Täuschung erliegen. Droege ging bei seinem Vortrag hart ins Gericht. „Politische Wirklichkeiten beruhen heute auf einer fossilen Machtbasis", „unsere Moderne entspricht einem globalen Fossilismus" sind nur zwei seiner Statements, mit denen er gleich zu Beginn seiner Keynote aufrüttelte. Er plädierte zudem für eine rasche Abkehr vom Konzept der „fossilen Stadt". Form, Architektur und Technologie sollten sich nicht länger auf fossile Brennstoffe ausrichten.

Prof. DI Droege
Bild: Weka/cp  

Prof. Droege ist sich sicher: „Die Energiewende ist rein technisch gesehen in 10 Jahren möglich", „73 % der Bundesbürger stimmen der Gewinnung von erneuerbaren Energien in ihrer Umgebung zu" – die Wende wird von der regionalen, der kommunalen Seite getragen. meinte er und ganz konkret: „Das Passivhaus ist tot, ein ermüdendes Konzept – es lebe das Aktivhaus - Von der Geldsenke zur Einkommensquelle!" Peter Droege ist überzeugt „Die Lösungen liegen vor uns! 100 % erneuerbare Energie ist ein Grundrecht und für uns alle höchstes Mandat!"

Anschober: "Wir alle machen die Energiewende"

Auch Rudi Anschober, Landesrat für Umwelt- und Energie in Oberösterreich, weiß genau was Sache ist. „Es geht etwas weiter, der Trend ist da!" Er sieht aber auch ein Kernproblem: „Jeder sagt, der andere soll etwas tun." Anschober vergleicht die Energiewende mit einer Revolution. „Alle müssen Verantwortung übernehmen, es genügt nicht zu delegieren!" Anschober sieht aber die Energiewende auch als gesamtgesellschaftliche Revolution. Die Leitfrage des Kongresses „Wer macht die Energiewende?" beantwortete er deshalb mit „Wir alle machen die Energiewende".

Rudi Anschober
Bild: Weka/cp  

In Oberösterreich hat man sich sehr konkrete Ziele gesetzt, 148 Maßnahmen gemeinsam beschlossen – und daher auch „eine gewisse Verbindlichkeit" erreicht. Der Anteil an erneuerbaren in OÖ liegt derzeit bei knapp über 32% bis 2030 will das Bundesland zumindest bei Wärme und Strom eine 100 % Abdeckung erreichen. Ausschlaggebend dafür ob die Wende gelingt, ist für Rudi Anschober die Energieeffizienz. Es muss Verbindlichkeiten, wie zum Beispiel das Bundesenergieeffizienzgesetz geben. Energieeffizienz oder die Berücksichtigung erneuerbarer Energiequellen beim Neubau müssten also einen gesetzlichen Rahmen finden, auch in der Raumordnung (beispielsweise beim Netzausbau) müsste die angestrebte Energiewende berücksichtig werden. „Es geht darum von politischen Reden zu konkreten Taten zu kommen!", so Anschober.

Ähnlich beurteilt DI Dr. Adi Groß von der Vorarlberger Landesregierung die Situation. Die technische Umsetzung sei heute kein Problem, ist er überzeugt. Gerade in Vorarlberg sei man, was ökologische Architektur betrifft schon sehr weit. Er betrachtet „die Energieautonomie nicht nur als Investitions- und Beschäftigungsmodell, sondern als neues gesellschaftliches Modell", das auch eine Neudefinition von Wohlstand bedeutet. Er forderte darüber hinaus dazu auf, die Energiewende in einem größeren gesellschaftlichen Rahmen zu sehen. Energie und Energieversorgung haben Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens. Den Weg zur Energieautarkie sieht Groß deshalb auch als Leitfaden zur gesellschaftlichen Transformation.

Graf: Schwindende Akzeptanz

Ein gesellschaftspolitisches Thema ist die Energiewende auch für Mag. Martin Graf, Vorstand Energie-Control Austria. Anders als seine Vorredner meint er allerdings eine schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung zu erkennen – gerade wenn es um Projekte in der eigenen Umgebung geht. Auch die politischen Rahmenbedingungen hemmen die Energiewende, so Graf. Lange Genehmigungsverfahren und ein hoher bürokratischer Aufwand machen es schwierig, entsprechende Projekte umzusetzen. Der enge Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch sei problematisch. „Das Energieeffizienzgesetz ist ein Gebot der Stunde!"

Er sieht für die Zukunft noch große Herausforderungen: Investitionen in den Netzausbau, Investitionen in Steuer- und Regeltechnik, in Smart Grids und virtuelle Kraftwerke.

Noch einen Schritt konkreter wurde DI Dr. Morteza Fesharaki, Geschäftsführer und Entwicklungsleiter der HERZ Energietechnik GmbH, in seinem Referat. Er ist davon überzeugt, dass die Heiztechnik Motor für die Energiewende sein kann. „Alle Techniken müssen zusammenwirken, damit die Energiewende klappen kann." Sehr kritisch nahm er Stellung zu den aktuellen Förderungen bei Ölheizungen und erhielt dafür breite Zustimmung. Fesharaki merkte an, das auch im Bestand mit wenig Aufwand (Heizungstausch) bereits viel erreicht werden könnte.

DI Dr. Morteza Fesharaki
Bild: Weka/cp  

Teilweise kontroversiell ging es bei der Podiumsdiskussion zu, die den ersten großen Vortragsblock abschloss. Die in Österreich sehr langfristigen Zielsetzungen bis zum Teil hin in das Jahr 2050 sorgten bei Peter Droege für Unverständnis. „Die Ziele müssen angezogen werden! Es darf nicht 2050 lauten, sondern 2015, sonst fängt man nicht vor 2040 mit dem Nachdenken an!" „Wir müssen jetzt mehr Tempo in die Sache bringen, Steine anstoßen, dann wird die Wende zum Selbstläufer. Die Energiewende muss als ökonomische Chance wahrgenommen werden, nicht als Zwang. Die Bürgerinnen sind da schon viel weiter als viele Politiker", ist Rudi Anschober überzeugt. Und Dr. Fesharaki meinte stellvertretend für alle Referenten. „Die Energiewende ist machbar – wir können es und wir wollen es!"

Den Beginn des zweiten Vortragsblocks machte Mag. Anna Schreuer, Wissenschafterin am IFZ, die auf die Bedeutung von Gemeinschaftsanlagen einging. Bürgerbeteiligungen ermöglichen eine Win-win-situation für alle Beteiligten – Errichter, Kommunen und jedes Einzelnen. Gerade in Hinblick auf die Energiewende können sie einen bedeutenden Beitrag leisten.

Mag. Anna Schreuer, MSc
Bild: Weka/cp  

Das weiß auch DI Dr. Peter Ramharter, Wicon Engineering, der in seinem Beitrag auch auf die Stolpersteine – Stichwort Prospektprüfpflicht, Stichwort Bankenkonzession - bei solchen Modellen verwies.

Auersbach als positives Beispiel

Um konkrete Beispiele aus der Praxis ging es im Anschluss. Nach einer kurzen Einführung von DI Dr. Martin Steiner, Lehrgangsleiter der IG Energieautarkie und fachlicher Leiter des Dritten Österreichischen Energieautarkie-Kongress, stellte Ing. Karl Puchas die Klimaschutzgemeinde Auersbach vor. Puchas brachte dabei einen gänzlichen neuen Aspekt in die Diskussion ein: Auersbach als kleine Gemeinde mit einer funktionierenden und ausgeprägten Dorfkultur ist der perfekte „Nährboden" für Energieautarkie-Projekte. Er lieferte somit gewissermaßen den praktischen Beweis, dass Bürgerbeteiligung ein entscheidender Erfolgsfaktor für solche Projekte sein kann.

Für großes Interesse sorgte der Vortrag von Ing. Andreas Schneemann, der das Photovoltaik Projekt Sonnenkraftwerk Burgendland vorstellte. Dieses Projekt steht sinnbildlich für eine gelungene Kommunikation im Zusammenhang mit Energieprojekten. Denn – so wurde klar – eine gute Idee zu haben und diese umzusetzen reicht nicht, auch die Kommunikation und die PR sind wichtige Bereiche um die nötige Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Und auch der Vortrag von Mag. DI Dr. Heimo Bürbaumer war ein Highlight des Kongresses. Er präsentierte die Ergebnisse der ersten österreichweiten Energieautarkiestudie. Die Studie gibt Aufschluss über die Ist-Situation in Österreich, zeigt aber auch auf, welche Schritte eine Gemeinde setzen muss, um den Weg in die Energieautarkie zu bewältigen.

Erneuerbare Energien im sozialen Wohnbau

Anhand eines Projektes in Wien 21, zeigte Ing. Roman Weigl auf, dass erneuerbare Energien auch im sozialen Wohnbau Einzug gefunden haben. Den vielen Fragen des Fachpublikums begegnete er dabei mit vielen Informationen und Anekdoten aus der Umsetzung, auch die Schwierigkeiten und Probleme bei diesem Projekt blieben dabei nicht unerwähnt.

Ing. Roman Weigl, MSc
Bild: Weka/cp  

Zum Abschluss des Vortragsprogrammes stellten Thomas Loße, Kübler GmbH und Taco Holtzhuizen, ezeit Ingenieure, in ihren Referaten neue technische Lösungen vor, die maßgeblich zur Energiewende und zu größerer Energieeffizienz beitragen können.

Nach einer kurzen Pause waren die Kongressteilnehmer dann zum Business-Matching aufgefordert. Experten stellten sich den individuellen Fragen zu den unterschiedlichen erneuerbaren Energieformen. Erfahrungsaustausch und Networking war angesagt.

Anschließend wurden die Diplome an die neuesten Absolventen des Universitätslehrgang Certified Energie-Autarkie-Coach verliehen.

Hier finden Sie die Vorträge des Dritten Österreichischen Energieautarkie-Kongresses zum Download.

 


Bildergalerie

Der Energieautarkie-Kongress in Bildern - So gelingt die Energiewende!

Im Parkhotel Schönbrunn fand der Dritte Österreichische Energieautarkie-Kongress statt.
Hier finden Sie alle Bilder der Veranstaltung.